Zurück zur Natur
- At Oktober 14, 2023
- By kdw
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Es ist ein feuchtkalter Junimorgen.
Ich bin allein
mit den Vögeln
und Bäumen
und denke
daß es
vor 500 Jahren
hier auch nicht viel anders
gewesen sein kann.
Irgendwo schreit eine Krähe
und hundert Meter vor mir
hoppelt ein Hase
bedächtig schüchtern
über den Weg.
Ich spüre das Leben
und trotzdem –
es hat sich etwas
verändert.
Man sieht es nicht,
der Mantel des Todes
ist unsichtbar.
Die Wunden der Zivilisation
bedrücken mich seltsam.
Sie sind überall,
auch in mir
und sie
schmerzen mich,
umsomehr daß
andere
die selben Wunden tragen,
sie aber nicht spüren.
Gefühle sind verkümmert,
verhärtet zu starren Formen.
Meine Suche nach
offenkundiger Sensibilität
scheint ein trübseliges Unterfangen.
Diejenigen haben den Kampf
gegen den Tod
der Gefühle und des Bewußtseins
der uns umgibt
und der von uns selbst ausgeht
aufgegeben.
Aber ich kämpfe weiter
und versuche die Teile,
die ich mühsam in mir
zusammensetze
auch zusammen zu halten.
Ich muß endlich lernen
meine Gedanken
und Gefühle nicht
zu zerstören,
durch Lügen und Bequemlichkeit.
Ich muß beharrlich bleiben
und den Kontakt
zu mir
ständig aufrecht erhalten.
Eine Hummel summt
ihr Lied
und bekrabbelt die lila Blütenkelche
vor mir.
Klitzekleine Tautropfen
glitzern
im Flaum der Blätter…
Ich atme tief ein,
ganz langsam,
und fühle
wie die Wurzeln
in mir
neuen Halt finden.
Die Vogelstimmen kommen näher.
(1985)
Schriftsteller
- At Oktober 14, 2023
- By
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Die meisten Schriftsteller sind Augen- oder Ohrenmenschen und bilden daher Gesehenes oder Gehörtes nach. Bilden nach? Nein, sie sondern aus, verdichten ihre Darstellung auf den Kern, auf das innere Wesen des so wahrgenommenen.
Otto Schuhmann
Zwischen Tag und Nacht
- At Oktober 14, 2023
- By udo
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Bernsteinfarben blinkt der Mond
als scharfe Sichel
geheimnisvoll und unnahbar
hinter Nacht verhangenen Bäumen.
Das zarte Licht des schwachen Tags
entzündet sich in fernem Blau.
Übergang und in einander fließen
Menschenleben
- At Oktober 14, 2023
- By udo
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Zwischen Kathedralen und Bach Sonaten
schimmert ein klarer Morgen.
Sprache und Farben verstrahlen pralles Leben.
Ein gemeinsamer Takt pulst in allem Tun,
ein Urgrund trägt alles Sein.
Und doch genügt der Grippehauch des Alltags
um den Blick zu trüben.
Plötzlich verschließt sich der Künste Zauber.
Frierend und verlassen stehen wir an einer leeren Straße.
Februar
- At Oktober 14, 2023
- By udo
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Die Welt hat ausgeholt
zum letzten tiefen Atemzug
um schallend dem Winter
ins eingefallene Gesicht zu lachen.
Verhärmte Schneekrusten vertrocknen
unter lichtblauen Himmeln.
Tief im Boden gärt es.
Bald, bald platzt das Leben auf.