Der Musiker und das Mädchen
- At Oktober 14, 2023
- By oska
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Es saß da und spielte. Gehörte und erfundene Melodien. Reproduzierte und variierte Erinnerungsfetzen. Manchmal ohne Zusammenhang. Manchmal einer gewissen logischen Entwicklung folgend. Manchmal sprunghaft. Manchmal von einem Zitat zum andern gleitend. Mal mit geschlossenen Augen. Mal mit halb geöffneten Augen. Teilweise nur sich selbst wahrnehmend. Teilweise die Umgebung ahnend. Manchmal, weil Geräusche von Beifall vernehmbar waren. Manchmal, weil jemand sehr nah bei ihm stand. Manchmal, weil er einen auf ihn gerichteten Blick spürte. Meist verdrängte er die äußeren Einflüsse. Niemals hatten sie Einfluss auf sein Spiel. Außer, es pfiff oder summte jemand mit. Dann wechselte er sofort die Melodie. Er verabscheute solche Einmischungen. Sie machten ihn unfrei. Mitpfeifen behinderte seine Freiheit, jederzeit über die Fortsetzung seines Spielens entscheiden zu können. Mitsummen ebenso. Er summte lieber selbst mit. Manchmal. Unhörbar für andere. Wenn er neben sich stand und auf sein sitzendes Ich herabsah. Die Selbstbegleitung dauerte meist nicht lange. Meist wendete er sich bald gelangweilt ab und ließ sich allein zurück. Er erkannte dann, dass er sich mehr auf sein Spiel konzentrieren musste. Er schloss dann die Augen fest, bis er wieder zufriedener mit seinem Spiel war. Er vernahm dann bald wieder stärkeren Beifall.
Er öffnete kurz die Augen und ließ sie während seines Spiels die Umgebung abtasten. Zwei Augen in seiner Umgebung versuchten, seinen Blick aufzufangen. Er war irritiert. Ließ den Blick weitergleiten. Schloss die Augen. Ãffnete sie wieder. Ließ den Blick zurückgleiten. Fand wieder das Augenpaar. Es versuchte, seinen Blick zu fesseln. Er ließ dies zunächst zu. Dann weitete er seinen Blick. Er erfasste das Umfeld der Augen. Er sah das Gesicht. Er sah das Mädchen. Er kannte es nicht. Es war schön, aber er kannte es nicht. Es war schön, es war jung, und es hielt seinen Blick fest. Er griff nun selbst nach dem Mädchen. Mit seinen Augen. Nach ihren Augen. Er hörte sein Spiel intensiver werden. Er hörte Raunen in seiner Umgebung. Beifälliges Raunen. Dennoch störte es ihn. Er befürchtete Störungen seiner Konzentration. Sie war jetzt nötiger als Beifall. Es war nicht einfach, den Blick des Mädchens festzuhalten. Zu zeigen, dass sie seinen Blick weiter festhalten sollte. Dies auch in seinem Spiel auszudrücken. Aus sich herauszugehen. Sich neben sich zu stellen. Sich beim Spielen zuzuhören. Sich dabei zu beobachten, wie er gebannt auf das Mädchen sah.
Er hob ab. Er schwebte über sich. Er wusste jetzt, dass sein Spiel gut war. Gut wie noch nie. In der neuen Position sah er nur noch sich. Das Mädchen war nicht mehr in seinem Blickfeld. Nicht in der erhöhten Position. Der intensive Kontakt zu dem schönen Mädchen bestand aber weiter. Das bewies ihm das Spiel seines sitzenden Ichs. Beifall erdröhnte. Brachte ihn wieder auf den Boden. Ließ ihn wieder in sich gehen. Er brachte sein Spiel zu einem passenden Ende.
Für eine gewisse Zeit ließ er die Augen geschlossen. Dann öffnete er sie. Er blickte immer noch in die selbe Richtung. Dahin, wo er das Mädchen gesehen hatte. Zu den Augen, die ihn gefesselt hatten. Er spürte ihren Blick nicht mehr. Er sah das Mädchen nicht mehr. Er suchte seine Umgebung ab. Er fand weder den Blick, noch das Mädchen. Nicht im Menschenkreis, der ihn umgab. Er versuchte den Horizont zu erreichen. Es gab Schatten, die in Frage kamen. Es gab aber kein Erkennen der Schatten. Sie waren zu weit entfernt für Blickkontakte. Er schloss kurz die Augen. Er öffnete sie wieder. Dann nahm er sein Instrument und ging.
Er wusste, er würde wieder kommen. Er würde da sitzen. Er würde spielen. Er würde auf den Blick warten. Auf das Mädchen. Jeden Tag.
mein sohn
- At Oktober 14, 2023
- By littledammi
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sei willkommen mein sohn,
deine mutter bin ich,
ich hab lange schon
gewartet auf dich.
9 monate sind eine sehr lange zeit,
viel freude gabs dabei,
aber auch leid.
doch nun bist du da,
deine stimme ict laut,
ich warte darauf,
dass sie worte sich baut.
deine füsse, so klein,
bald werden die geh´n,
deine augen, noch müd,
viel werden sie seh´n.
deine hände, so weich,
bald werden sie hart,
nichts bleibt dir einst
im leben erspart.
doch was auch geschieht,
du bist nie allein,
ich bin da für dich,
und werd´s immer sein!
leichter zu gehen als verlassen zu werden…
- At Oktober 14, 2023
- By xtin2000
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Wie kann ich es sagen
so dass man es versteht
ich war nicht alleine, es war als wäre alles geheilt;
doch dann wurde mir klar,
von heute auf morgen
auch wenn ich fühle was mich durchdringt
der andere tut dies nicht
ich bin und bleibe alleine
es war, als wäre ich nie gewesen.
Er schaut mich noch an;
er weiß noch soviel
doch sagt er mir nichts;
und vergaß mich bitterlich
viel zu schnell war er weg
sodass ich nun zweifle
war es jemals so wie ich dachte?
wohl nicht
Ich war nicht Freund, ich war nicht geliebt
ich war nur Schuld, ich war eine Last.
Ich bin nicht mehr traurig
nicht mehr überascht
Es ist Zeit ich zu werden
und alle anderen zu verlassen
gehen war immer schon leichter
so werde ich gehen,
Es war mir Freud
doch nun ist es Zeit
es tut mir nicht leid
Ihr vergaßt mich
nun vergesse ich euch
Verschrotten
- At Oktober 14, 2023
- By john
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Vom Abschied nehmen
Oder: Ein treuer Freund
Zuerst fährst du `nen Polo
jetzt bist du wieder solo. (Obwohl ich Glaube ich hab‘ den Nachfolger schon gesehen, ob das den Polo freut?)
Das Leben ist grausam, schrecklich gemein
muss es denn der Polo sein?
Er ist alt, hat ausgedient
im Hintergrund die Presse grient.
Das willst du ihm ersparen
ihr kennt euch schon seit Jahren!
Früher als er noch wie neu
War er ziemlich gut zu Pneu.
Das ist furchtbar traurig
und für Biggi schaurig.
Könnte man ihn konservieren, vielleicht mit Plastinaten
Er würde sicher gut geraten!
Schrumpfen wäre ziemlich praktisch
Er fände Platz auf Biggi’s Nachttisch.
Pressen wäre nicht enorm
Es fehlte hinterher die Form.
Jedoch, gut gepresst zu einem Stück
nimmst du ihn nach Hause mit!
Mit Fantasie und mit Bravour
Erweiterst du die Wohnkultur!
Ob als Tischchen oder Hocker
oder so als Türenblocker.
Wenn dein Gefühl das jetzt verneint
Ihr wäret immerhin vereint!!!
Auch wenn du meinst, du müsstest mich versohlen
Mach alles, nur schick ihn nicht nach Polen!!!
In aufrichtiger Anteilnahme über den schmerzlichen Verlust!
Für Biggi
JML/08-2002