Ach wenn

Ach, wenn ich die Tränen doch sammeln könnt!
Die Lauten, und die welche keiner benennt.
Gleich einem kostbaren Gut,
trüge ich sie in den Himmel hinauf.
Verwandelt in Tropfen aus Liebe und Glück
bring ich sie in mir wieder zurück.
Schenkte mit Frieden sie aus mir heraus.

Den Straßenkindern mit den verlassenen Eltern.
Den Bettlern neben den Heimatlosen.
Hinein ins Gefängnis! Zu den am Boden zerstörten;
den Hungernden, Armen; den Freud- und Friedlosen.

Schenkte sie her, denen die einsam alleine gelassen.
Zu dem auch, den niemand kennt, sich selbst Feind ist
und keinem vertraut.
Auch dem, vor dem es mir graut;
der mich mit seinen Taten lähmt
und durch sein Schweigen nicht kennt.

Liebe und Frieden für den Menschen auch,
der scheinbar versagt, seine Wahrheit nicht nennt
und die Natur als den Ursprung verkennt.

Ach wenn ich die Tränen doch sammeln könnt,
von denen, die man mit Macht bedrängt.

Frieden und Liebe machten sie frei –
Ach, wenn ich die Tränden verwandeln könnt!

Zur Freude in mir
Zur Liebe mit dir
Zur Freihein in uns.

Herzklopfen

klopf, klopf,
klopf, klopf …

Hoch tief,
hoch tief …

So wölbst du die Brust,
gleich einem Hieb.

Von innen nach außen,
von außen nach innen
– erneuernd
– gestaltend

Vor Freude ringend
oder „schmerzzerspringend“.

Alles kommt bei dir an
nimmt deine Seele ran
– und dann?

Dann ist da Freude
und gut;
Dann ist da Wut
ohne Mut.

Fragt dich warum?

Klopf, klopfst Du
so stark nur in der Brust?
Angst machst Du mir!
Wirkst allzuvergänglich
– zu unbeständig.

Weckst mit dem Klopfen
mir andere Herzen;
ich seh sie schon mit mir scherzen.
Klopfen, scherzen,
leuchten, freuen,
schatten fühlen
und den Ernst
nicht scheuen.
– echt sein
wahr und tief;

So, wie das Herz
das Dich rief.

Ich liebe diese Welt!

Das Leben auf ihr,
das Wunder der Natur!
Doch mit den Menschen
ist es so anderst!
So viele Menschen die ich treffe,
sind so sehr „Welt“
und leben sie doch nicht.
Ich werde wohl nie so viel „Welt“ sein!
Und mich immer wieder
dabei ertappen wie ich sie
staunend betrachte
und versuchen werde
sie zu verstehen…

Inspirationen

zu Himmelfahrt und Pfingsten,
anhand einer kleinen Betrachtung;
des Löwenzahns.

Die Blätter und Wurzeln des Löwenzahns als Symbol für das
wieder Lebenskraftspendende der Pflanze,
die ihre lange Winterruhe im Schoß der Mutter Erde
im Frühling beendet hat, und nun dem Lichthaften,
und der Erneuerung dieser Jahreszeit zustrebt.
Dem sich Hinschenken, in der strahlenden Üppigkeit
der tausend kleinen goldgelben Blättchen,
die zu einer einzigen prall gefüllten Blüte versammelt sind

So wie Christus sein junges Leben zu „ voller Blüte erstrahlt“
für uns zur Osterzeit hingeschenkt hat.
Dem Passafest seiner Zeit .

Die Blüte des Löwenzahns erblüht nur für zwei bis drei Tage,
und schließt sich dann vollständich zum Abend des dritten Tages hin.
In dieser Zeit der Umwandlung wirkt die „Blüte“ wie vertrocknet und leblos.
Sie bleibt äußerlich für das Auge erkennbar,
aber das Wesentliche wirkt unsichtbar, im Inneren,
bis zur vollständigen Verwandlung der „leblosen Blüte“
hin zum Fruchtstand der Pusteblume.
Diese drei Tage der „Wandlung“ erinnern mich symbolisch
an die Osterfeierlichkeiten und damit verbunden
die Auferstehung Christus am dritten Tage:
Die Jüngerinnen und Jünger erkannten ihn zuerst gar nicht.
Als ihm die Frauen auf dem Weg hinter dem leeren Grab begegnen,
und er sie anspricht, auch zweifeln einige Jünger als er später zu ihnen kommt!
Er scheint verändert (ähnlich der geschlossenen, sich verwandelnden Blüte).
Dann aber erleben sie alle mit ihm die Zeit bis Himmelfahrt;
er ist für sie alle greifbar und sie erinnern
durch und mit ihm all die Dinge wieder
von den gemeinsam verbrachten Jahren bis zur Kreuzigung.
Aber das Wesentliche geschieht erst in der Stille,
Ruhe und Abgeschiedenheit nach „Christi Himmelfahrt“,
als die „Blüte“ sich endgültig zu verabschieden scheint.

Hier beginnt die Vorbereitung auf das so unglaubliche Geschenk
des Pfingstgeschehens.
Und dies findet in der Stille, in jeder Menschenseele für sich statt.
Es reift ein Same heran!
Und jeder Mensch hat für die Reife nach „Christi Himmelfahrt“
seine eigene Zeit, um das Geschenk der Ausgießung
des heiligen Geistes zu begreifen und für sich zu ergreifen, wenn er es will!
So, wie sich in der Pusteblume ein so Feinstoffliches erleben läßt.
Wo jedes Samenkörnchen die richtige Reifezeit braucht um vom Wind
als schöpferischem Atem erfaßt werden zu können.
In die Höhe gehoben und vom Winde getragen damit es hoffentlich
auf fruchtbaren Boden fällt,um den Kreislauf des Wachsens und Werdens
erneut zu beginnen.
So könnte es auch bei uns sein, wenn etwas in uns heranreift!
Vielleicht ist es das, was Christus in seiner endlosen Liebe
sich von uns wünschen würde.

Aus einem Vortragszyklus zu Pfingsten 1999