Montreux oder Die Vögel sind nicht freier als wir
- At Oktober 14, 2023
- By wortgarage
0
licht verbrannte im nachmittag zu goldfäden. sie durchwirkten wasserflecken, die als schwimmende teppiche ankamen und wegtrieben. häuser wuchsen wie fremd in die hänge der überragenden berge. an den steinrändern ruhten unentwegt wolken. in ihren gefässen trugen sie den regen kommender tage, er reifte in der stille wechselnder lichtfarben. verlegen erröteten felsflecken zwischen dem grün hochwachsender wälder.
am ufer schwebten wasservögel durch die windstille luft, ihre flügel falteten die wärme des abends mühelos auseinander. sie schienen frei und ihre freiheit schien grenzenlos. einzig es blieb ihre freiheit und sie war nicht austauschbar mit den wünschen der menschen, zu abstrakt war der vergleich. die menschen hatten ein eigenes weites meer in sich, das ihnen alle möglichkeiten offen liess alle möglichkeiten zu leben.
aus wolkenschössen trieben im ankommenden abend lichtschienen. sie spiegelten sich in den saxophonen der musiker, die ihre klänge auf hörseiten schrieben, wild, zügellos, ungehemmt und dann wieder leise, zärtlich, fast schüchtern. schritte veränderten die bewegung zum klang der musik, leise formten sich lippen im takt. in der ferne verbrannte die stille im blau, in den häfen hatten sie die segelschiffe abgeerntet. der blick in die weite war erbarmungslos frei.
© Hermann Josef Schmitz
Riesenrad – Lebensrad
- At Oktober 14, 2023
- By karin-lehmann
0
Endlich bin ich am Rummelplatz
angekommen. Ich sehe das Riesenrad
sich dreh’n. Auf mich wirkt es
wunderschön.
Als es vor mir anhält, steige ich hinein.
So wie das Riesenrad sich dreht, wird es
auch für mich weitergeh’n.
Viele Menschen versuchen an unserem
Lebensrad zu dreh’n-bestimmen generell-
dass sich unser Rad dreht,
langsam und auch schnell.
An meinem Lebensrad
drehe immer noch ich selbst.
Im Riesenrad
geht es jetzt weiter ganz nach hochoben
zum herrlich blauen Himmelszelt.
Für mich grenzt es fast an ein Wunder,
weit, sehr weit kann ich in die Ferne seh’n.
Schaue über den Horizont-
kann erst jetzt viele Dinge des Lebens besser versteh’n.
Hier oben in den klaren Lüften
weit und breit herrscht
unendliche Ruhe, Frieden
und Geborgenheit.
Das ist es, was ich mir
wünsche und ersehne.
Nur so soll sich mein Lebensrad
immer weiter dreh’n.
Schloss Landshut
- At Oktober 14, 2023
- By wortgarage
0
am ende des tages durchbrach die sonne schichten aus grauen wolken und entwarf sich in langen streifen auf sattem gras. blüten scheuten das späte erwachen, bäume hingegen verbeugten sich vor der stunde. im aufgeschichteten grün der baumschösse schauderten regentropfen vergangener zeit. schattengitter vergingen, wenn wir uns bewegten und kamen und vergingen. brücken mit geschwungenen flügeln lagen als transparent auf dem wasser, dunkel und zärtlich der spiegel ihrer bewegungen. unsere schrittlängen glichen sich an, wir brauchten keine hände, um den weg gemeinsam zu kennen. manchmal fielen worte und augen entzündeten sich vor glück. im rosennest lagen blüten, pergamentdünn und verblühend in ihrer ganzen schönheit. die feuchte luft ungebundener stunde trug ihren reifen duft in das verlangen einer entführten nacht.
© Hermann Josef Schmitz
blüten
- At Oktober 14, 2023
- By wortgarage
0
regentropfenkolonnen
bevölkern frauenmäntel
im nachbarblatthaus
werden sich schatten öffnen
blüten versetzten sternen
gleich erwachen
© Hermann Josef Schmitz
Gedanken zu Romeo und Julia
- At Oktober 14, 2023
- By madlin
0
Mein geliebter Romeo!
Kann nicht finden meine Ruh, eh ich dies Werk vollbracht. Mein Herzens Schmerz unerträglich, mein Tun und mein Sein ohne jede Freud. Wie trostlos alles in dies endlos Stunden. Ist das denn des Liebes Sinn? Zwei Herzen sich vereinen, des beiden Leid. Verurteilt durch des Namen wert. Oh heiliger Vater, befrei uns von diesen Namen Last. Wie sehr liebe ich des Romeos Gestalt, sein Herz, sein unendlich Gefühl. Mein holder Romeo, welch Qual dies ewig verbergen des so unendlich Gefühls.
Deine Lippen weich, wie des Kaisers Samt, die Hände zart, wie des Herzens Gefühl. Dein Gesicht krönende Schöpfung Gottes. Deine Liebe tiefer als das Meer. Bin reich an Gefühl, doch dies Gefühl ich nicht kann leben. Des Todesangst als treuer Begleiter, durch die eigenen Familien zum Leid verurteilt. Ist dies Gefühl nicht stärker, als des Hasses Macht?
Romeo, sag. Des Lebens Feind ich nun geworden, ohne deine Näh ich seh kein Leben. Wie sehr ich verachte des Namens wert.
Ich träumte oft von des Liebes Macht. Mein geliebter Romeo und ich des seine treue Weib, geflohen aus des hoffnungslosen Leid. Die Liebe gelebt, das Leben viel wert. Die Herzen vereint. Die Nähe unendlich. Kein einzger Mensch uns getrennt. Die ewige Lieb und die Zärtlichkeit deiner. Wenn dieser Traum nur etwas Wahres hätt.
Romeo, ist das des liebens Sinn? Zwei Herzen, füreinander geschaffen, sich ewige Liebe schwören, voneinander getrennt? Welch Hohn. Ist denn Liebe nicht des Erde größter Macht? Hat der Wert des Namens alles wertlos gemacht?
Bin ohne Hoffnung, dennoch voller Gefühl. Meine Liebe zu dir unvergänglich. Treu für die Ewigkeit, weiß ich doch des deinen Gefühls. Romeo, holder Romeo, mein Geliebter. Rette mich aus dies Tristlosigkeit. Ist des Lebens Weg zu leiden, sowie der Liebe Weg zu vereinsamen? Welch Wert hat dann Gottes Macht? Der Liebes Macht zu untergraben? Romeo, mein Herz blutet, der Schmerz unerträglich. Hab ich noch das Gespür des Schmerzes? Spüre ausser dieser Ungerechtigkeit viel Hass. Hass auf des Namens Wert und des unseren Leid. Sei gewiss holder Engel: Ich liebe bis zur Vergänglichkeit.