Was ich will?
- At Oktober 14, 2023
- By leopoldloewe
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Ihr fragt, was ich möchte?
Ich möchte leben, lesen schreiben,
möchte jeden Sinn zum Kreisen treiben.
Ich möchte sowenig Ihr wie möglich,
ich möchte vergessen, was dumm scheint.
Möchte vielmehr Ich als irgend nötig,
möchte niemanden sehn, der deswegen rumweint.
Ich fragt, was ich kann?
Ich kann leben, lesen, schreiben,
ich kann jeden Sinn zum Kreisen treiben.
Ich kann machen, dass du n´ Schreck kriegst,
kann sagen, dass n´ Nazi nicht viel mehr als Dreck ist.
Ich kann dir zeigen, dass Trauer körperlich weh tut.
Ich kann auch dem Schneemann im Winter n´ Schneehut
Und kann dich unglücklich machen, so sehr, dass du weinst.
Muss nur sagen, dass du im Spiegel recht dicklich erscheinst.
Ich prangere liebend gerne an,
prüf jeden Weg auf seinen Sinn.
Doch wie soll ich wissen, was ich kann,
wenn ich doch nicht einmal weiß, wer ich wirklich bin.
Ihr wisst, was ich möchte, ihr wisst, was ich kann?
Nun, dann seid ihr jetzt mit urteilen dran.
Drum steh ich hier, bin ganz allein…
Drei Seiten
- At Oktober 14, 2023
- By leopoldloewe
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Wenn zwei sich streiten
freut sich der Dritte
Und saugt dem Teufel
aus Teufels Titte,
Denn auch wenn die ersten Beiden sich streiten
Bekommt die Medaille
keine drei Seiten.
Die Fährfrau
- At Oktober 14, 2023
- By leopoldloewe
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So streng und fest geformt scheint äußerlich die Hülle,
als wenn sie keine Zärtlichkeiten kennt.
Mit Blicken bittend, dass sie Jemand fülle.
Und sei es nur für den Moment.
Ataraxia
- At Oktober 14, 2023
- By wortgarage
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I
Auf der fast unberührten Haut des Kanals brach sich das Licht an der Biegung des Ufers. Hier verkantete sich die Strömung und zeichnete der Haut winzige Falten. Augenblickspäter legten sich die zerbrochenen Sterne wieder zusammen. Dein Atem ging langsam, Schritte knirschten auf entblösstem Schnee. Am Fluss nebenan glättete das Wasser die Schrunden der Steine.
II
Der Blick auf das Licht der Tage und Nächte war zu oft verloren gegangen. Menschen trieben wie von fremder Hand geführt durch Strassen. Schaufenster erpressten mit schreienden Worten und übertriebenen Farben. Es gab alles, was man kaum benötigte. Lauter, schneller, bewegter waren vor allem die Tage, die Stille begehrten. Im Vergehen des Lichtes ersehnten sie in gewärmten Schweigeräumen den Blick durch dunkle Fensterkreuze hinaus in den ungebrochenen Schnee. Klanglos wolltest du durch deine Gedanken streunen, einzig den Geruch von Zimt auf vertrauter Haut und gehaucht das entflochtene Wort.
III
Das Jahr hatte seine letzten Tagesreisen angetreten, im Klang deiner Stimme lag die Freude auf brennende Kerzen und stille Besinnungen. Es war an der Zeit, den Verpflichtungen nicht nachzukommen und die Kräfte neu auszurichten. Du fülltest die Räume zwischen den Schattenstäben mit Licht und legtest Schnee in die Hautrillen draussen auf den kahlen Feldern. Gebrochene Äste klafften ins Blau, vergehend und doch unvergänglich in ihrem Stolz. Am geborgenen Fenster lagen Worte aus Zuneigung und Heimkehr. Es war an der Zeit, Türen zu schliessen, Lichter anzuzünden und wieder bei Dir zu sein.
© Hermann Josef Schmitz
Ohne Titel
- At Oktober 14, 2023
- By wortgarage
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ich lese die sätze nach
lege sie auf lichtes papier
verführe mich
entlang der silbenhäute
zu flügelgesponnenen netzen
nehme unbeschriebene herzschläge
in schlafwarme hände
den blick beharrlich
an der leuchtenden wimpernkurve
flackert das geschlossene lid
die gebrochene linie entlang
© Hermann Josef Schmitz