schlaf und speise

der hauch der nacht ist dein laken,
die finsternis legt sich zu dir.
sie rührt dir an knöchel und schläfe,
sie weckt dich zu leben und schlaf,
sie spürt dich im wort auf, im wunsch,
im gedanken, sie schläft bei jedem von ihnen,
sie lockt dich hervor.
sie kämmt dir das salz aus den wimpern
und tischt es dir auf,
sie lauscht deinen stunden den sand ab
und setzt ihn dir vor.
und was sie als rose war,
schatten und wasser, schenkt sie dir ein.

paul celan

If You Leave Me Now (Chicago)

If you leave me now, you’ll take away the biggest part of me
Uh uh uh uh no baby please don’t go
And if you leave me now, you’ll take away the very heart of me
Uh uh uh uh no baby please don’t go
Uh uh uh uh girl I just want you to stay

A love like ours is love that’s hard to find
How could we let it slip away
We’ve come too far to leave it all behind
How could we end it all this way
When tomorrow comes and we’ll both regret
The things we said today

A love like ours is love that’s hard to find
How could we let it slip away
We’ve come too far to leave it all behind
How could we end it all this way
When tomorrow comes and we’ll both regret
The things we said today

If you leave me now, you’ll take away the biggest part of me
Uh uh uh uh no baby please don’t go
Uh girl, just got to have you by my side

Uh uh uh uh no baby, please don’t go

Oh mama, I just got to have your lovin, yeah

der tod der geliebten

er wußte nur vom tod was alle wissen:
daß er uns nimmt und in das stumme stößt.
als aber sie, nicht von ihm fortgerissen,
nein, leis aus seinen augen ausgelöst,

hinüberglitt zu unbekannten schatten,
und als er fühlte, daß sie drüben nun
wie einen mond ihr mädchenlächeln hatten
und ihre weise wohlzutun:

da wurden ihm die toten so bekannt,
als wäre er durch sie mit einem jeden
ganz nah verwandt; er ließ die andern reden

und glaubte nicht und nannte jenes land
das gutgelegene, das immersüße –
und tastete es ab für ihre füße.

rainer maria rilke

an die wolken

und immer wieder,
wenn ich mich müde gesehen
an der menschen gesichtern,
so vielen spiegeln
unendlicher torheit,
hob ich das aug
über die häuser und bäume
empor zu euch,
ihr ewigen gedanken des himmels.
und eure grösse und freiheit
erlöste mich immer wieder,
und ich dachte mit euch
über länder und meere hinweg
und hing mit euch
überm abgrund der unendlichkeit
und zerging zuletzt
wie dunst,
wenn ich ohn massen
den samen der sterne
fliegen sah
über die äcker
der unergründlichen tiefen.

christian morgenstern