Der Mann im Spiegel

Es muss an einem dieser matten Oktobervormittage gewesen sein, an denen die Zeit nur zähflüssig aus den Neonlicht gefüllten Gängen der Bürogebäude abläuft. Auf dem Weg zur Toilette war er in Gedanken mit der Bearbeitung der auf seinem Schreibtisch liegenden Rechnungen beschäftigt und grüßte die ihm begegnenden Kollegen daher nur mechanisch mit einem knappen „Guten Morgen“.
Beim Öffnen der Toilettentür war ihm nichts aufgefallen. Erst als er das Sakko ausziehen wollte stutzte er zum ersten mal für einen Augenblick. Ohne auch nur erahnen zu können warum, kam es ihm vor, als ob in dem Moment irgendetwas beunruhigend anders gewesen wäre als sonst.

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Frühlingserwachen

Noch hüllen sich die frisch erwachten Wiesen
in dünne Decken aus perlend reinem Licht.
Schläfrig, doch im Innern ungeduldig und feucht
erwarten sie den neuen Frühling.

Sein bläulich leichter Wind ist bereits gekommen
und erzählt von Aufbruch und Beginn,
Unschuld, sanftem Sinken
und von Gott.

Unendlich zart streicht er unsere rissig gewordene Seele
und gießt uns in die Zeit.